KlangGedanken

Klangpoesie & Chanson

Manchmal doch

[Je+Scha]

Manchmal bin ich
schwach doch
irgendwie auch nicht

Manchmal bin ich
schwarz doch
irgendwo ist Licht

Manchmal bin ich
leer doch
irgendwer liebt mich

Manchmal bin ich
trüb doch
irgendwas hält mich

Vielleicht bin ich
manchmal doch
nur einfach ich

Ode an die Schwermut

[Lena Lehmann]

Ach, Schwermut, altbekannter Geist
wenn Licht aus allen Tagen weicht!
Wie du mich stets willkommen heißt,
mein Herze deinem Antlitz gleicht.

Ach, Einsamkeit, geliebtes Sehnen
nach dem, was unerreichbar ist!
Wie kann ich deine Wildheit zähmen,
wenn du doch Quell der Muse bist?

Ach, Traurigkeit, ach, Wehmut, ach,
Melancholie und Leidenschaft!
Am Tage müde, nächtens wach -
unwiderstehlich deine Kraft!

Und rufst du laut, so bin ich hier.
Und harrst du meiner, komm ich nah.
Liebst du mich innig, tanzen wir
wo ich der Hoffnung Schimmer sah.

Ach, Schwermut, wohlbekannter Gast
wenn auf den Wegen Laub zerfällt!
Wie du mich fest umschlungen hast
und Stille zeichnet meine Welt.

[ohne titel]

[Je+Scha]

wir sitzen auf einem dicken
ast der ruhelosigkeit.
entspannt lächelst du mich an,
ohne zu wissen,
dass ich am liebsten in das
kühle, dunkel glitzernde Wasser springen möchte,
das rauschend seine freiheit sucht.
atemlos lauschen wir dem wind -
spürst du,
wie er sachte in dein ohr pustet.
wie zärtlich er
sanftweich unsere gesichter streichelt,
obwohl auch er zum schweigen verdammt ist.
gefangen vom zauber des moments
hängen wir unseren gedanken nach.
betreten ungekannte sphären,
in denen der rostbraune mond
die gesichter nur noch erahnen lässt.
alles ruhig,
unglaublich schwerelose zeit
bahnt sich forsch ihren weg
durch die apathie dieses augenblicks.
wortfetzen fliegen vorüber,
erzählen,
auch unser ast bräche irgendwann.
bittersüße melodien,
unwissend, dass unheil nur den findet, der es sucht

Nirgendwo nie

[Je+Scha]

und dann
bist du einfach so gegangen
mein Herz das ist ein Ozean
ganz ruhig lag es, ganz unbefangen
bis ein Boot ihm die Stille nahm
du triebst davon mit wildem Getöse
hast dich nirgends nie wieder umgedreht,
dass dein Anker sich vom Tränengrund löse
mein zartes Glitzern jählings weggefegt
- die Brandung peitscht mir ins Gesicht -
ich tauche tief in mich hinein
der Sturm pustet das Mondlicht aus
die Wellen werden meine Festung sein
und ich atme dich laut aus mir heraus

und plötzlich
warst du einfach so weit weg
mein Herz das ist eine Galaxie
tausend Sonnen umkreisen den schwarzen Fleck
mit interstellar kosmischer Energie
du fliegst davon durch alle Sternenwinde
hast dich nirgends nie wieder umgedreht
dass dein Raumschiff neue Planeten finde
mein wildes Funkeln jählings weggefegt
- die Unendlichkeit peitscht mir ins Gesicht -
ich gleite tief in mich hinein
der Sturm pustet die Sterne aus
das Universum wird meine Festung sein
und ich atme dich laut aus mir heraus

und nun
bin ich wieder einmal ganz allein
meine Liebe die ist ein Schmetterling
ganz bunt war sie, ganz sanft und rein
bis eine Gewitterwolke sie umfing
doch ich flog davon, schwerelos und frei
hab mich nirgends nie wieder umgedreht,
dass dort irgendwo noch Hoffnung sei
und kein Sturm je mehr mein Ich wegfegt
- Morgenlicht scheint mir ins Gesicht -
der Falter setzt sich auf Blumentriebe,
die ganz zart nun am Erwachen sind
warum nur suche ich immerzu Liebe,
die ich nirgendwo nirgends nie find'

Schnee

[Lena Lehmann]

Der Herbstwind treibt
Blätter und Bilder
wilder
Nächte vor sich her
Und die Muse in den Herzen
und deine Hand
an meiner Hand
das alles verblasst schon
und die Luft
riecht nach
Rauch

Der Herbstwind pustet
uns leise
heiße
Melodien ins Ohr
Und die Musik in unseren Beinen
und deine Hand
in meinem Haar
das alles verblasst schon
und die Luft
riecht nach
Rauch

Im Herbstwind taumeln
die Bäume und
Träume
fallen ins Laub
Und der Wein in unseren Köpfen
und deine Hand
an meinem Bein
das alles verblasst schon
und die Luft
riecht nach
Rauch

Ein Nebel trübt
Auge und Leben und
Regen
küsst leise die Stadt
Und die Nacht in unseren Haaren
und dein Mund
auf meinem Mund
und der Herbstwind vergeht
und die Luft
riecht nach
Schnee

9/10/2019

[Je+Scha]

aufgewacht
die Müdigkeit aus den Augen gespült
Kaffee
und die Morgenzeitung
die Welt im Chaos

aufgestanden
die Hilflosigkeit aus dem Kopf gehetzt
S-Bahn
und die Werbetafeln
der Mensch in Lüge

weitergemacht
die Angst in den Darm geschluckt
Mittag
und die Schüsse
die Welt am Abgrund

weggerannt
die Tränen aus dem Gesicht gewischt
Wein
und die Kerzen
der Mensch in Trauer

aufgestanden
und weitergelebt
wir sind noch Menschen
und doch nicht mehr
die gleichen

chaos

[Lena Lehmann]

ein herbst zieht um die häuser
meiner stadt
doch diese stadt
bleibt laut

ein schlaf liegt auf den wäldern
meines landes
doch dieses land
bleibt laut

ein schrei geht durch die herzen
meiner welt
doch diese welt
bleibt stumm